Carola Favoino ita

Carola Favoino war eines der vielversprechendsten Downhill-Talente Italiens. Doch mit 22 Jahren ließ sie den Rennsport hinter sich – und begann, die Welt des Mountainbikens auf ganz andere Art zu erkunden. Sie ist talentiert, sie ist witzig, sie ist nachdenklich, sie ist neugierig. Und sie ist unser jüngstes Mitglied der SUNLIGHT Adventure Crew.

Caro, wie bist du zum Mountainbiken gekommen?

Ich bin in Mailand aufgewachsen – und da ist es ziemlich flach. Ich habe alle möglichen Sportarten ausprobiert: Fechten, Reiten, Skifahren. Aber mein Vater war in der Bike Industrie: Er hat das Gravitalia Squadra UCI MTB Team gemanaged und die Italienische Downhill-Serie organisiert. Da habe ich ab und an zugeschaut. Ich war dann aber doch schon 12 Jahre alt, als ich es in Châtel das erste Mal selbst versucht habe. Mehr oder weniger direkt ins Downhillen rein. Und ich erinnere mich noch genau, wie überrascht ich war, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass es körperlich so anstrengend sein würde. Eine Runde und ich war fertig.

 

 

Und dann bist du zu diesem großen DH-Talent geworden…

Naja, es war einige Jahre eher eine On-Off-Beziehung, bevor es ernster wurde. Meine Eltern haben mich nie gepusht, aber immer unterstützt. Als ich 17 Jahre alt war, zog dann mein Vater mit seinem Business – und mit uns als Familie – nach Finale Ligure um. Das hat mir natürlich einen enormen Push gegeben, weil du hier einfach das ganze Jahr über perfekt biken kannst. Was mich aber wirklich ins Biken reingezogen hat, war die Community. Ich habe Menschen kennengelernt, Freundschaften geschlossen und alle haben mich mitgezogen und ermutigt.

Abgesehen von den Menschen – was hat dich am Biken gepackt?

Das hat sich über die Jahre verändert. Damals hatte ich einfach riesigen Spaß und liebte den Adrenalinkick. Es ist ein gutes Gefühl, sich selbst aus der Komfortzone zu pushen – vor allem danach. Und du bist draußen in der Natur und entdeckst Orte. Als ich dann international Rennen fuhr, verschob sich alles. Mein „Spaß-Level“ hing mehr und mehr von den Ergebnissen ab. Und es kann frustrierend werden, wenn die Resultate nicht zu den eigenen Erwartungen passen. Ich war auf dem Bike, weil ich trainieren musste. Dann kam eine Verletzung und sah dabei zu, wie andere besser wurden, während ich gefühlt wieder bei Null startete.

 

 

Das klingt nach enormem mentalem Druck.

Ja, schon. Ich habe mit 22 eine Pause eingelegt. Das war wirklich hart. Ich habe versucht, ein normales Leben zu führen, aber es fühlte sich seltsam an. Als ich wieder mit dem Biken anfing, wurde mir klar: Mein Platz ist nicht in der Rennwelt. Manchmal zwingt man sich in Dinge, die einfach nicht für einen gemacht sind. Ich glaube wirklich an positive und negative Energie. Es waren ausreichend negative Signale da. Heute genieße ich es so viel mehr – und meine Skills haben sich seitdem enorm weiterentwickelt.

Und du bist zu einer großen Inspiration geworden – besonders für Frauen.

Ich habe früher immer zu Männern aufgeschaut. Aber inzwischen gibt es wirklich viele weibliche Vorbilder und das ist wirklich wichtig für uns. Ich glaube, wir Frauen haben oft einen anderen Zugang zu den Dingen. Viele von uns gehen die Dinge emotionaler an, das sehe ich auch beim Guiden und in den Kursen. Es funktioniert so viel besser, wenn Frauen Frauen coachen. Männer wollen oft die coolen Tricks lernen, wollen schnell sein – und das ist oft zu schnell. Ich guide viel in Finale und es ist auffällig, wie häufig Frauen tatsächlich mehr Kontrolle über ihr Bike und eine bessere Technik haben. Aber ich muss sagen, dass sich innerhalb der Bike Community viel tut und männliche Fahrer uns Frauen respektieren, unterstützen und pushen. Es gibt auch Bewegung in der Industrie und der Erfolg von Frauen bei Events wie der Red Bull Rampage, dem DH World Cup oder der Natural Selection Tour zeigt, wieviel Potential es noch gibt.

Du reist jetzt viel. Wie inspirieren dich andere Orte?

Reisen lehrt dir so viel. Es gibt mir die Möglichkeit, besser zu werden – einfach durch die Begegnung mit den unterschiedlichsten Menschen mit den unterschiedlichsten Mentalitäten und Einstellungen. Aber das hat bezieht sich nicht nur auf den Bikesport. Ich war schon immer sehr neugierig. Menschen mit anderem Background kennenzulernen, gibt mir unglaublich viele Impulse. Ich liebe Finale, das ist mein Ort der Ruhe, dort ist meine Familie. Aber ich bin sehr aktiv und will mich körperlich wie auch mental weiterentwickeln und wachsen. Europa ist so reich an Geschichte und Kulturen. Wir sollten das mehr schätzen und mehr erkunden.

 

 

Was liebst du am Reisen mit dem Camper Van?

Dass ich diesen Spruch „Home is everywhere I go“ wirklich leben kann. Es gibt mir ein enormes Gefühl von Freiheit, morgens mit dem Blick in die Natur aufzuwachen und dann einfach mein Ding zu machen. Du kannst 100 % im Moment leben und ganz bei dir sein. Aber gleichzeitig verbindet dich ein Camper auf besondere Art mit Menschen. Wenn man mit anderen zusammen campt, entsteht eine spezielle Verbundenheit, das habe ich immer wieder erlebt. Aber ich brauche nach einem Bike-Tag oft Zeit für mich, um Dinge zu verarbeiten. Und der Camper ist mein Ort, wo ich mich zurückziehen und auftanken kann.

Schau vorbei! @carola_favoino

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